Das Maigeloog wurde gemäß neu aufgetauchten Presseberichten wahrscheinlich erstmals vor 342 Jahren 1656 in einer Kirchenchronik erwähnt. Das vom Maigeloog veranstaltete, ca. sechs Wochen dauernde "Poller Maispill" bestand bislang aus Mai-Baumschlagen, Mai-Umzug, Maifest und Baumniederlegung. Hinzu kam neben der Mai-Wache am Lagerfeuer bei Bauer Kleinschmidt am Sonntag, dem 26.04.1998 das Maifischen. Nach überlieferten Ritualen wurde in Zusammenarbeit mit der Fischereibruderschaft Bergheim/Sieg und mit Absicherung durch die DLRG versucht, die traditionelle Fangtechnik zu demonstrieren. Auf Vermittlung der Gebr. Pannenbäcker stellte der KAMC im Rheinau-Sporthafen einen historischen Nachen zur Verfügung. Schwierig gestaltete sich die Auswahl und das Training geeigneter Ruderer und Fischer, die laut alten Aufzeichnungen eine "fast übermenschliche Kraftanstrengung" vollbringen mußten. Josef Boss, Vorstandsmitglied der Fischereibruderschaft, Heinrich Mertens, früher Berufsrheinfischer, sowie sein Sohn Paul übernahmen diese Aufgabe. Am Sonntag, dem 26.04.1998 begann mit "Kapp ab zum Gebet", einem "Vater u8nser" und schließlich "ln Gottes Namen" der Fang. Von der Bruderschaft wurde die Tradition der "Fischer-Jungfrau" übernommen. Dies übernahm die liebliche Nadine Libens, die die Fische und insbesondere den Maifisch locken sollte. Der früher sehr begehrte, 2-6 Pfund schwere Maifisch - eine Heringsart, auch Alse genannt - zog bis Anfang dieses Jahrhunderts rheinaufwärts in stille Buchten. Die alten Fang-Techniken sind u.a. noch erhalten in der 987 gegründeten Fischereibruderschaft Troisdorf-Bergheim an der Siegmündung. Die Bruderschaft betreibt u.a. auch ein interessantes Fischereimuseum im Siegdelta, das jeden ersten Sonntagnachmittag im Monat geöffnet ist.
Leider stand der wiederbelebte Fischfang unter keinem guten Stern. Trotz des fast waagerecht peitschenden Regens waren ca. 300 Zuschauer gekommen. Starke Windböen ließen die Ruderer nicht weit hinausfahren; das Gewicht des bleibeschwerten 60-m-Netzes zog das Boot näher ans Land als beabsichtigt und zum Schluß brach noch eines der beiden Stechpaddel. Beim Einholen des Netzes wurde zudem noch ein großer Basalt-(Kribben)stein eingefangen; hierdurch konnten gefangene Fische noch in letzter Sekunde entkommen. Auf einen zweiten Versuch mußte wegen des Unwetters verzichtet werden. Er soll allerdings im nächsten Jahr nachgeholt werden. Somit hatte sich die historisch überlieferte, aber vorher belächelte "fast übermenschliche Kraftanstrengung" beim Maifischfang bewahrheitet und dem Maigeloog Grenzen aufgezeigt.
Auch die anderen Veranstaltungen boten Überraschungen. Der Markplatz konnte für die vielen Aktivitäten um den Taxiplatz erweitert werden. im Maizug gingen erstmals die Kleingärtner Köln-Poll, eine Reitergruppe und - neben dem (zweibeinigen) Mai-Esel - "Speedy", ein waschechter Poller (vierbeiniger) Esel mit. Der Feldgendarm des
Maigeloogs Kasi Körner trat erstmals im historischen Outfit auf. Außerdem versuchten das Maigeloog und die Feuerwehr Ensen-Westhoven, den über 20m langen Rekordbaum nur mit Stangen aufzurichten - aber auch hier zeigte sich, daß noch Training und die Unterstützung unseres Ortsbauern Kleinschmidt und seines stärksten Treckers erforderlich sind. Zum Abschluß des Maifestes, wurde der Maibaum nach spannendem Kampf für die Schützenkönigin, Ihre Majestät Gabt' Neunzig, die ein Nagelstudio auf der Siegburger Straße betreibt, ersteigert.
Die Baumniederlegung mit den traditionellen "Gemeinheiten" des Maigeloogs fiel allerdings anders aus als geplant. Erst wenige Stunden vor der offiziellen Baumniederlegung bemerkte das Maigeloog, daß seit dem vergangenem Abend der Maibaum vom Marktplatz verschwunden war. Der anfängliche Zorn und die Trauer lösten sich dann nach dem Motto "Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein" in Galgenhumor auf und spornte zu den geplanten, nunmehr aber etwas abgespeckten Schandtaten an. Der zurückgelassene, noch ca. 3m lange Maibaum-Stumpf wurde mit 15 m Holzlatten verlängert. Die von den unbekannten "Frevlern" zurückgelassenen Astrestchen und Zweige wurden mühsam aufgesammelt, angenagelt und mit bunten Bändern versehen. In den Stumpf wurden rostige Nägel geschlagen.
Dank der Unterstützung von KVB und unseres Ortspolizisten Dieter Borenz wurde dann der Baum während der Hauptverkehrszeit vom Markt zum Nagelstudio gebracht. Dort hatten sich vorher Mitglieder des Maigeloogs unter falschen Namen zur Behandlung von "Problemnägeln" angemeldet. Stattdessen sollte der Baum quer über die Siegburger Str. in das Studio abgelegt und zur Behandlung übergeben werden. Dann wollten die Mitglieder des Maigeloogs schnell verschwinden und Ihrer Majestät die Beseitigung des Baums überlassen (wobei aber für den Notfall versteckt ein Helfer mit einer Kettensäge wartete). Das erhoffte Chaos blieb jedoch aus, weil der verlängerte Baum in der Mitte durchbrach. Der Baumstumpf mit seinen rostigen Nägeln wurde jedoch zur "Nagelpflege" abgegeben. Da Gaby Neunzig die Nägel nicht ordnungsgemäß säuberte, sondern lediglich überlackierte, wurde dann zur Strafe der Reststumpf in dünne Scheiben geschnitten, mit rostigen Nägeln gespickt und zur weiteren Pflege abgegeben. Nach einigen Kölsch und ein paar Häppchen bei Familie Neunzig konnte dann das Maigeloog seine "Niederlage" mit einem von Herbert Mundt gespendeten Fass Kölsch bis in den frühen Morgen bei der Familie Nonn weiterfeiern. Als Entschädigung waren später die Damen des Maigeloogs zum Königinnenkaffee bei Gaby Neunzig eingeladen.
Die Suche nach dem verschwundenen Maibaum und seinen Dieben blieb trotz der traditionell ausgesetzten Belohnung in Höhe von 20 1 Bier erfolglos. Gerüchteweise soll der Streich jedoch im benachbarten Ausland bei befreundeten Schützenbrüder (?!) ausgeheckt worden sein - zudem soll der Diebstahl dem amtierenden Schützenkönigspaar wegen den zu erwartenden und befürchteten Scherzen nicht ganz ungelegen gekommen sein.
Quelle: St. HubSchBrs Köln-Poll, Festschrift 1998
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